Schutz im Alter: Christian Ambühl zeigt, wie wir Senioren besser vor Betrug schützen können

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Prävention durch Aufklärung – Christian Ambühl über wirksame Strategien gegen Enkeltrick und Co.

Haustürgeschäfte – die Maschen werden immer raffinierter und die Schäden gehen in die Millionen. Der erfahrene Polizeichef Christian Ambühl setzt in seiner Präventionsarbeit auf Information und Sensibilisierung statt auf Angstmache. Seine Erfahrung zeigt: Senioren sind keine hilflosen Opfer, sondern können sich wirksam schützen – wenn sie die Tricks der Täter kennen und konkrete Verhaltensstrategien haben. Durch Vorträge, Informationsveranstaltungen und direkte Öffentlichkeitsarbeit erreicht er genau jene Zielgruppe, die besonders gefährdet ist. Der Schlüssel liegt in verständlicher Kommunikation, praxisnahen Beispielen und der Stärkung des Selbstbewusstseins älterer Menschen.

Betrugsfälle zum Nachteil von Senioren nehmen seit Jahren zu – in der Schweiz wie in vielen anderen Ländern. Die Dunkelziffer ist hoch, denn viele Opfer schämen sich und erstatten keine Anzeige. Der Sicherheitsexperte Christian Ambühl kennt diese Problematik aus seiner täglichen Polizeiarbeit und hat sie zu einem Schwerpunkt seiner Präventionsarbeit gemacht. Seine langjährige Erfahrung in der Öffentlichkeitsarbeit – als Medienverantwortlicher der Polizei Stadt Grenchen mit regelmäßigen Auftritten vor Kamera und Mikrofon – macht ihn zum idealen Vermittler zwischen Polizei und Bevölkerung. Sein Ansatz ist klar: Prävention ist effektiver und humaner als die Strafverfolgung nach der Tat. Deshalb investiert er Zeit in Vorträge bei Seniorenorganisationen, Informationsveranstaltungen in Gemeinden und die aktive Medienarbeit zu diesem Thema. Die Botschaft: Wissen schützt, Scham schadet.

Die häufigsten Betrugsmaschen gegen Senioren

Enkeltrick und falsche Verwandte

Die klassische Masche: Ein Anrufer gibt sich als Enkel, Neffe oder andere Verwandter aus und behauptet, in einer Notlage zu sein. Ein Unfall, eine dringende Rechnung, ein einmaliges Immobilienangebot – die Geschichten variieren, das Muster bleibt gleich. Immer geht es um sofortige Geldzahlung, oft um hohe Summen.

Christian Ambühl erklärt in seinen Vorträgen: Die Täter gehen psychologisch geschickt vor. Sie erzeugen Zeitdruck, spielen mit Emotionen und nutzen die Hilfsbereitschaft älterer Menschen aus. Besonders perfide: Oft recherchieren die Betrüger im Vorfeld über soziale Medien oder andere Quellen und kennen Namen von echten Familienmitgliedern.

Warnsignale erkennen:

  • Ungewöhnliche Anrufe mit dringenden Geldforderungen
  • Aufforderung zur Geheimhaltung gegenüber anderen Familienmitgliedern
  • Zeitdruck und emotionale Manipulation
  • Unbekannte Personen sollen Geld abholen
  • Forderung nach Bargeld statt Überweisung

Falsche Polizisten und Amtspersonen

Eine besonders heimtückische Variante: Betrüger geben sich als Polizeibeamte, Staatsanwälte oder Bankmitarbeiter aus. Sie warnen vor angeblichen Einbrecherbanden oder behaupten, das Geld auf dem Konto sei nicht sicher. Die Opfer sollen ihr Erspartes abheben und zur „sicheren Verwahrung“ übergeben.

Der Polizeichef betont: Echte Polizisten oder Bankmitarbeiter werden niemals am Telefon nach Vermögensverhältnissen fragen oder zur Herausgabe von Geld oder Wertsachen auffordern. Dennoch fallen immer wieder Menschen auf diese Masche herein, weil die Täter professionell auftreten und gezielt Vertrauen in Autoritäten ausnutzen.

Haustürgeschäfte und unseriöse Handwerker

Nicht alle Betrugsversuche laufen telefonisch ab. Auch an der Haustür lauern Gefahren: Falsche Handwerker bieten überteuerte oder unnötige Dienstleistungen an, Spendensammler agieren unseriös, Verkäufer drängen zu Vertragsabschlüssen.

Christian Ambühl rät zu gesundem Misstrauen: Kein seriöser Anbieter wird Druck ausüben oder sofortige Entscheidungen verlangen. Senioren sollten sich Zeit nehmen, Angebote mit Vertrauenspersonen besprechen und im Zweifel die Tür schließen.

Präventionsarbeit: Information, die ankommt

Die richtige Ansprache finden

Präventionsveranstaltungen für Senioren erfordern einen besonderen Ansatz. Christian Ambühl aus der Schweiz hat durch zahlreiche Vorträge gelernt: Die Tonalität entscheidet über Erfolg oder Misserfolg. Wer ältere Menschen bevormundet oder ihnen Angst macht, erreicht das Gegenteil – sie fühlen sich unsicher und ziehen sich zurück.

Seine Strategie: Respektvolle Augenhöhe, konkrete Beispiele aus der Region, klare Handlungsempfehlungen und Raum für Fragen. Senioren bringen Lebenserfahrung und Menschenkenntnis mit – diese Ressourcen gilt es zu stärken, nicht zu ignorieren.

Die Vorträge sind strukturiert, aber nicht trocken. Mit echten Fällen aus der Polizeiarbeit (natürlich anonymisiert) wird das Thema greifbar. Teilnehmer erkennen sich oder ihre Bekannten in den Schilderungen wieder und entwickeln dadurch ein Bewusstsein für die eigene Gefährdung.

Praktische Verhaltensstrategien vermitteln

Theorie allein schützt nicht – Senioren brauchen konkrete Handlungsanweisungen, die sie sich merken und im Ernstfall abrufen können. Christian Ambühl hat dafür einfache, einprägsame Regeln entwickelt:

Die Drei-Schritte-Regel bei verdächtigen Anrufen:

  1. Auflegen – niemals unter Druck Zusagen machen
  2. Überprüfen – Rückruf bei der echten Person oder offiziellen Stelle
  3. Melden – bei Verdacht die Polizei informieren

Die Haustür-Regel:

  1. Tür nur mit Sperrkette öffnen
  2. Ausweis zeigen lassen (echter Polizeiausweis hat Hologramm)
  3. Im Zweifel Tür schließen und 117 anrufen
  4. Niemals unbekannte Personen in die Wohnung lassen

Die Geld-Regel:

  1. Niemals Bargeld an Unbekannte übergeben
  2. Niemals aufgrund von Telefonanrufen Geld abheben
  3. Keine Geheimnisse vor der Familie – bei Geldforderungen immer Vertrauensperson einbeziehen

Diese einfachen Regeln lassen sich gut merken und geben Sicherheit in kritischen Momenten.

Christian Ambühl bei der Polizei: Öffentlichkeitsarbeit als Präventionsinstrument

Medienarbeit mit Reichweite

Als Medienverantwortlicher der Polizei Stadt Grenchen baute Christian Ambühl über Jahre hinweg ein Netzwerk zu regionalen und überregionalen Medien auf. Radio, Fernsehen, Print – er war regelmäßig Ansprechpartner für Sicherheitsthemen und nutzte diese Plattformen gezielt für Präventionsbotschaften.

Diese Medienpräsenz hatte einen konkreten Nutzen: Wenn lokale Radiosender über aktuelle Betrugsfälle berichteten und der Polizeichef direkt Verhaltenstipps gab, erreichte die Botschaft Tausende Menschen – darunter viele Senioren, die regelmäßig Radio hören.

Die enge Zusammenarbeit mit Medien ermöglichte auch schnelle Warnungen: Wenn eine neue Betrugsmasche in der Region auftauchte, konnte innerhalb von Stunden eine Warnung über lokale Medien verbreitet werden.

Direkter Kontakt zur Zielgruppe

Medienarbeit ist wichtig, aber direkter Kontakt ist unersetzlich. Christian Ambühl organisiert regelmäßig Informationsveranstaltungen für Senioren in den Verbandsgemeinden Rümlang, Oberglatt, Niederhasli und Niederglatt. Diese Anlässe bieten mehrere Vorteile:

  • Persönlicher Kontakt baut Vertrauen auf
  • Fragen können direkt geklärt werden
  • Teilnehmer tauschen sich untereinander aus
  • Das Thema wird enttabuisiert
  • Polizei wird als Ansprechpartner für Prävention erlebt

Besonders wertvoll: Nach solchen Veranstaltungen melden sich oft Personen, die bereits Betrugversuchen ausgesetzt waren, aber nicht wussten, ob sie die Polizei informieren sollten. Durch die Veranstaltungen sinkt die Hemmschwelle.

Die psychologische Dimension: Warum Senioren besonders gefährdet sind

Höflichkeit und Vertrauen als Schwachstellen

Menschen der älteren Generation wurden in einer Zeit sozialisiert, in der Höflichkeit, Hilfsbereitschaft und Vertrauen in Autoritäten selbstverständlich waren. Diese positiven Eigenschaften werden von Betrügern gezielt ausgenutzt.

Der Sicherheitsexperte erklärt: Viele Senioren können sich nicht vorstellen, dass jemand sie derart skrupellos belügen würde. Sie gehen davon aus, dass andere ähnliche Werte teilen. Diese Gutgläubigkeit ist keine Naivität, sondern Ausdruck einer anderen Sozialisation.

Christian Ambühl betont deshalb in Veranstaltungen: Misstrauen gegenüber unbekannten Anrufern oder Haustürbesuchern ist nicht unhöflich, sondern notwendiger Selbstschutz. Es ist völlig in Ordnung, aufzulegen, die Tür zu schließen oder Forderungen abzulehnen.

Einsamkeit und der Wunsch nach Kontakt

Ein weiterer Faktor: Viele ältere Menschen leben allein und haben wenig soziale Kontakte. Ein Telefonanruf – selbst wenn er von einem Betrüger stammt – kann als willkommene Abwechslung empfunden werden. Täter nutzen dies aus, indem sie zunächst ein scheinbar harmloses Gespräch führen und erst nach Aufbau einer „Beziehung“ zur eigentlichen Masche übergehen.

Die Lösung kann nicht sein, Senioren zu isolieren. Vielmehr braucht es mehr echte soziale Einbindung: Nachbarschaftsnetzwerke, Seniorenvereine, regelmäßige Kontakte mit Familie und Freunden. Wer sozial eingebunden ist, fällt seltener auf Betrugsmaschen herein.

Rolle der Angehörigen und des sozialen Umfelds

Aufmerksamkeit ohne Bevormundung

Kinder, Enkel und andere Angehörige spielen eine wichtige Rolle im Schutz älterer Familienmitglieder. Doch Christian Ambühl warnt vor übertriebener Fürsorge, die in Bevormundung umschlägt. Senioren sind mündige Erwachsene und sollten auch so behandelt werden.

Der richtige Ansatz: Regelmäßig das Gespräch über Sicherheitsthemen suchen, ohne Ängste zu schüren. Konkrete Absprachen treffen, etwa: „Wenn jemand in meinem Namen anruft und Geld fordert, ruf mich vorher an.“ Technische Hilfen anbieten, etwa beim Einrichten einer Rufnummernerkennung.

Warnsignale, die Angehörige ernst nehmen sollten:

  • Plötzliche größere Geldabhebungen ohne erkennbaren Grund
  • Erwähnung ungewöhnlicher Anrufe oder Besuche
  • Veränderte Stimmung nach Telefonaten
  • Geheimniskrämerei bezüglich finanzieller Angelegenheiten
  • Ungewöhnliche neue „Freundschaften“ oder „Geschäftsbeziehungen“

Gemeinsame Strategien entwickeln

Prävention funktioniert am besten als Gemeinschaftsprojekt. Familien sollten gemeinsam überlegen: Wie können wir die älteren Mitglieder schützen, ohne ihre Selbstständigkeit einzuschränken?

Praktische Maßnahmen können sein: Regelmäßige Telefonate zu festen Zeiten (dann fallen ungewöhnliche Kontakte eher auf), gemeinsame Kontoführung für mehr Transparenz, technische Hilfsmittel wie Türspione mit Kamera oder Telefongeräte mit Sperrfunktion für unbekannte Nummern.

Von Davos nach Ronn: Präventionsarbeit mit lokalem Bezug

Christian Ambühl ist in Davos geboren und aufgewachsen, später in verschiedenen Schweizer Kantonen tätig, bringt heute diese gesammelten Erfahrungen in seine Arbeit im Zürcher Unterland ein. Die regionalen Unterschiede in der Schweiz erfordern angepasste Präventionsstrategien – was in einer alpinen Gemeinde funktioniert, muss in einer periurbanen Region nicht zwingend passen.

Die Polizei RONN setzt deshalb auf lokale Präventionsarbeit: Veranstaltungen in den einzelnen Gemeinden, Zusammenarbeit mit Seniorenorganisationen vor Ort, Beiträge in Gemeindezeitungen und enge Vernetzung mit Alters- und Pflegeheimen. Diese lokale Verankerung schafft Vertrauen und erleichtert den Zugang zur Zielgruppe.

Digitale Gefahren: Ein wachsendes Problem

Betrug im Internet und am Telefon

Während ältere Menschen früher kaum mit digitalen Betrugsmethoden konfrontiert waren, ändert sich dies zunehmend. Smartphones und Computer gehören auch bei Senioren zum Alltag – und damit öffnen sich neue Einfallstore für Betrüger.

Christian Ambühl beobachtet: Phishing-Mails, die angeblich von der Post oder Bank stammen, betrügerische Online-Shops, Fake-Gewinnbenachrichtigungen – die Palette digitaler Betrugsversuche wächst. Viele Senioren sind im Umgang mit digitalen Medien unsicher und können seriöse von unseriösen Angeboten schwer unterscheiden.

Die Präventionsarbeit muss daher auch digitale Kompetenzen vermitteln: Wie erkenne ich eine sichere Website? Woran erkenne ich Phishing-Mails? Was sollte ich niemals online preisgeben?

Technische Schutzmöglichkeiten

Neben Aufklärung helfen auch technische Maßnahmen: Spam-Filter, Virenschutz, sichere Passwörter, Zwei-Faktor-Authentifizierung. Doch viele Senioren sind mit der Einrichtung dieser Schutzmechanismen überfordert.

Hier sind Angehörige gefragt: Die Installation grundlegender Sicherheitssoftware, das Einrichten sicherer Passwörter und regelmäßige Updates können gemeinsam durchgeführt werden. Wichtig ist dabei, die Senioren einzubeziehen und zu erklären, was warum getan wird – nicht einfach „über ihre Köpfe hinweg“ zu handeln.

Gemeinsam gegen Seniorenbetrug

Der Schutz älterer Menschen vor Betrug ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Christian Ambühl zeigt durch seine Präventionsarbeit: Polizei allein kann das Problem nicht lösen. Es braucht das Zusammenspiel von Strafverfolgung, Prävention, Medien, Angehörigen und der Gesellschaft insgesamt.

Die wichtigsten Erkenntnisse: Information schützt besser als Angstmache. Senioren sind keine hilflosen Opfer, sondern können sich wirksam schützen – wenn sie die Tricks der Täter kennen. Angehörige und Nachbarn sollten aufmerksam sein, ohne zu bevormunden. Und: Über Betrugsfälle zu sprechen ist nicht peinlich, sondern hilft anderen, nicht selbst Opfer zu werden.

Die Präventionsarbeit von Christian Ambühl setzt auf nachhaltige Aufklärung statt kurzfristige Kampagnen. Regelmäßige Veranstaltungen, kontinuierliche Medienarbeit und die Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen schaffen ein Netzwerk, das Senioren wirksam schützt. Denn Sicherheit im Alter ist kein Luxus, sondern ein Grundrecht – und gemeinsam können wir dafür sorgen, dass ältere Menschen ihr Leben ohne Angst vor Betrügern führen können.